Pressemitteilung 11.07.2012
+++ „20 Jahre nach den Pogromen – Das Problem heißt Rassismus!“ +++ Neues Bündnis ruft zu bundesweiter Demonstration in Gedenken an das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen auf +++
Unter dem Motto „20 Jahre nach den Pogromen – Das Problem heißt Rassismus!“ ruft ein Bündnis aus Antifagruppen, Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Vereinen und anderen Organisationen zu einer Demonstration am 25.08.2012 in Rostock-Lichtenhagen auf. Vor 20 Jahren wurden die zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und eine Unterkunft für Vertragsarbeiter_innen über vier Tage hinweg belagert und mit Steinen und Molotow-Cocktails angegriffen, während die Polizei weitestgehend untätig blieb. Das Pogrom in Lichtenhagen war in den 90ern kein Einzelfall, gilt aber als trauriger Höhepunkt der Eskalation dieser Zeit.
Damals waren es nicht nur organisierte Neonazis, die sich an dem Angriff auf Migrant_innen beteiligten. Das Bündnis will darauf aufmerksam machen, dass Rassismus auch ein Problem ist, das breit in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Die erschreckenden Morde des NSU wurden auch deswegen nicht aufgeklärt, weil Vorurteile und Alltagsrassismus die ermittelnden Beamt_innen die Täter_innen unter „kriminellen Ausländer_innen“ suchen ließen.
Rassistische Beleidigungen und Übergriffe finden tagtäglich statt. Neonazis und Rassist_innen töteten seit 1990 mindestens 180 Menschen. Doch nicht nur „auf der Straße“ werden Migrant_innen ausgegrenzt. Das Bündnis will gleichzeitig darauf aufmerksam machen, dass Asylsuchende in Deutschland unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern, wie zum Beispiel dem Lager Horst in Mecklenburg Vorpommern, untergebracht werden, falls sie es überhaupt bis hierher schaffen. An den Außengrenzen Europas sind seit 1993 mindestens 16.000 Menschen beim Versuch, aus ihrem Elend zu flüchten, gestorben. Unmittelbar im Anschluss an die Pogrome Anfang der 90er Jahre kam es seitens der damaligen Bundesregierung zu einer Änderung des Asylgesetzes, die de facto eine Abschaffung des Asylrechts darstellte.
„20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen“, so Claudia Münster vom Bündnis, „ist Rassismus in Deutschland nicht verschwunden – es ist noch immer ein Problem. Wir fordern, dass von Diskriminierung und Rassismus Betroffene als solche anerkannt und unterstützt werden. Und wir werden Rassismus wieder thematisieren. Denn die Gefahr, das sollte uns die Vergangenheit lehren, geht nicht nur von „braunen Schläger_innen“ aus, sondern auch von denjenigen, die ihren Rassismus im Alltag leben: Am Stammtisch, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz.“
In den kommenden Wochen bis zur Demonstration wird das Bündnis bundesweit mit Infomaterial, Diskussions- und Infoveranstaltungen und Zeitzeugengesprächen präsent sein.
25.08.2012 - Rostock
Kundgebung 11.00 Neuer Markt/ vor dem Rathaus
Demonstration 14.00 S-Lütten Klein
Rostock-Lichtenhagen 2012: Gedenken in weiss.

